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Das außerordentliche Heilige Jahr der Barmherzigkei

Am 8. Dezember hat Papst Franziskus das außerordentliche Heilige Jahr offiziell eröffnet und die Heilige Pforte am Petersdom in Rom geöffnet. Schon eine Woche vorher hat er im Rahmen seines Besuchs in Bangui/Zentralafrikanische Republik die Heilige Pforte der dortigen Kathedrale geöffnet. Und in den darauf folgenden Wochen wurden in den Diözesen auf der ganzen Welt Heilige Pforten geöffnet, die von der Barmherzigkeit des Vaters Kunde geben sollen, der uns in Seinem Sohn Sein barmherziges Antlitz geoffenbart hat.   Am 13. Dezember hat Patriarch Manuel in Lissabon die Heilige Pforte der Kathedrale geöffnet. Auch die Kapelle unter der Cristo-Rei-Statue hat eine Heilige Pforte. Mit der Bitte an die Diözesanbischöfe, auch in ihren Diözesen Heilige Pforten zu öffnen, hat Papst Franziskus deutlich gemacht, wie wichtig ihm die Verkündigung der Göttlichen Barmherzigkeit ist. In der Ankündigung des außerordentlichen Heiligen Jahres hatte Papst Franziskus an den Heiligen Johannes XXIII erinnert, der zu Beginn des II. Vatikanischen Konzils gesagt hatte: „Heute dagegen möchte die Braut Christi lieber das Heilmittel der Barmherzigkeit anwenden als die Waffen der Strenge.“   Der Glaube soll Bedeutung in den Häusern und in den Herzen der Menschen haben. Dazu müssen wir uns stets daran erinnern, dass der Glaube die persönlich Beziehung zwischen Mensch und Gott ist. Eine ethymologische Herleitung des deutschen Wortes „Sünde“ geht auf das altnordische Verb sundr zurück, was trennen oder aufteilen bedeutet. Ein Sund ist demnach eine Landtrennung. Das Wesen der Sünde besteht in der Beschädigung und Zerstörung von Beziehungen: Personen werden durch die Sünde getrennt. So ist der Mensch in Folge der Sünde von Gott getrennt. Aber das Christentum ist kein Moralismus, sondern der Glaube an einen Gott, der es mit dieser Trennung nicht bewenden lässt. Von Anfang an ergreift Gott die Initiative, um die Trennung zu überwinden. Es ist Gottes Sehnsucht nach dem Menschen, die sich in seiner Barmherzigkeit äußert. Aufgabe der Kirche ist es, den Menschen diese Barmherzigkeit Gottes zu verkünden. Papst Franziskus wird nicht müde, von ihr zu künden. Damit steht er in einer guten Tradition mit seinen Vorgängern. Der Heilige Papst Johannes Paul II. hat schon 1980 der göttlichen Barmherzigkeit eine Enzyklika gewidmet: Dives in misericordia, (… der voll Erbarmen ist) Die Einführung des liturgischen Festes des Barmherzigkeitssonntages am Sonntag nach Ostern bekräftigt diese Lehre. Und gleichsam wie das Siegel Gottes unter seiner Verkündigung können wir das Datum des Todes von Johannes Paul II. verstehen, den Vorabend des Barmherzigkeitssonntages am 2. April 2005. Indem die Göttliche Barmherzigkeit am Oktavtag von Ostern gefeiert wird, soll der Zusammenhang zwischen Tod und Auferstehung Jesu Christi und der sehnsuchtsvollen Liebe Gottes zu den Menschen offenbar werden.   Dieser Liebe Gottes zu den Menschen widmete Papst Benedikt XVI. seine erste Enzyklika: Deus Caritas est, (Gott ist die Liebe). Dabei gibt es keine größere Sehnsucht des Menschen als die Sehnsucht danach, dass eine andere Person da sein möge, die wir lieben und die uns liebt. Das bedeutet, dass das Geschenk Gottes an uns Menschen zutiefst der Sehnsucht des Menschen entspricht, nämlich die Person Jesus Christus, die uns bis in den Tod liebt.   Was bleibt, ist die Erfahrung der Sünde, die auch nach 2000 Jahren Christentum nicht aus der Welt genommen ist. Wir erfahren die Folge der Sünde, die Trennung zwischen Gott und Mensch, auch in unserem Leben immer wieder aufs Neue. Wenn wir aber das Wesen der Göttlichen Barmherzigkeit erkennen können, dann erfahren wir auch, dass uns stets aufs Neue die Möglichkeit zur Umkehr gegeben wird. Denn Göttliche Barmherzigkeit besteht nicht darin, die Sünde nicht mehr Sünde zu nennen oder umzudefinieren, sondern in der Vergebung den Menschen, der zur Umkehr bereit ist, immer wieder anzunehmen. Barmherzigkeit Gottes heißt daher, dass dieser Gott, der den Menschen bis in den Tod hinein und durch den Tod hindurch liebt, diesem Menschen immer wieder Vergebung und Neuanfang zusagen will.   Das außerordentliche Heilige Jahr der Barmherzigkeit will unseren Blick auf dieses Anliegen Gottes richten und uns einladen, die göttliche Barmherzigkeit an uns wirken zu lassen. Das Durchschreiten der Heiligen Pforte wird damit zu einem sichtbaren Zeichen, dass wir den alten Menschen hinter uns zurücklassen wollen und als neue Menschen in der Gegenwart Gottes leben wollen.