Alle Jahre wieder …

 

 

 

In diesem Jahr haben wir wieder einmal die kürzeste Adventszeit erlebt. Immer, wenn der 4. Advent auf den 24. Dezember fällt, ist die Adventszeit so kurz. Und auch die Weihnachtszeit dauert dann nur bis zum 7. Januar, dem Fest der Taufe des Herrn.

 

Weihnachten kommt wieder so plötzlich …, und wenn ich dann feststelle, dass ich noch gar nicht in weihnachtlicher Stimmung bin?

 

Es gibt eine Sehnsucht des Menschen, nach Harmonie, nach Ruhe und Frieden, nach Besinnlichkeit, nach Liebe. Die Sehnsucht nach Weihnachten beinhaltet all diese Gefühle. Wohl deshalb erfreut sich das Weihnachtsfest auch in einer säkularisierten Gesellschaft großer Beliebtheit.

 

Aber am Anfang des Weihnachtsevangeliums heißt es: „Es begab sich aber ...“. So steht am Anfang der Hinweis auf ein Ereignis. Es ist etwas geschehen. Die Bedeutung dessen, was da geschehen ist, entfaltet sich dadurch, dass dieses Ereignis anscheinend all diesen Sehnsüchten des Menschen zu entsprechen scheint.

 

Wenn aber unsere säkularisierte Gesellschaft das Ereignis nicht mehr wahrnimmt, was dann? Die Sehnsucht bleibt, und die Hoffnung auf Erfüllung auch. Aber wenn die Erfüllung nicht mehr aus dem Ereignis kommen kann, dann muss der Mensch selbst Erfüllung liefern. Insofern wachsen die Erwartungen der Menschen aneinander, vor allem in der Familie: „Es ist Weihnachten und deshalb …!“ Das mag der Grund dafür sein, dass der Weihnachtsabend in manchen Familien im großen Krach endet.

 

Die Botschaft der Engel auf dem Felde, von denen das Weihnachts­evangelium kündet, spricht vom „Frieden auf Erden den Menschen Seiner Gnade“ (vgl. Lk 2,14). Im Jahr 2017 hat die Welt nicht den Eindruck erwecken können, dass das Zusammenleben der Menschen friedvoller geworden sei. Konflikte wie in Syrien, Irak, Afghanistan, Nordafrika, aber auch zwischen Nord-Korea und den USA verdeutlichen, dass die Menschheit wohl eher auf einem Pulverfass sitzt, das jederzeit explodieren kann. „Frieden auf Erden“ - davon scheint die Menschheit weit entfernt zu sein.

 

Aber auch die Zeit der Geburt Jesu war keine Zeit gesellschaftlichen Friedens. Die Heilserwartungen, die das Volk Israel mit dem kommenden Messias verbanden, bezogen sich sicherlich zuerst auf die Befreiung von der römischen Besatzungsmacht, das erwartete und von den Propheten verkündete Friedensreich auf ein erneuertes Reich Israel nach Davidischem Vorbild.

 

Doch Jesus spricht von einem anderen Frieden: einem Frieden, den die Welt nicht geben kann (Joh 14,27). Dieser Frieden ist ein Frieden in den Herzen der Menschen, ein Frieden, den der gefunden hat, dessen tiefste innere Sehnsucht gestillt ist. Es ist der Frieden, den der empfinden kann, der Christus gefunden hat. Die Hirten, die Könige und wir Menschen von Heute machen uns auf dem Weg zum Kind in der Krippe, denn das Göttliche Kind ist selbst der Frieden, den die Welt nicht geben kann. Es ist der Messias, der in die Welt gekommen ist aus Liebe zu den Menschen, der aus Liebe sogar das Kreuz auf sich nimmt, der den Tod besiegt und uns Seinen Neuen und Ewigen Bund der Liebe und der Freundschaft anbietet. Weihnachten ist keine Illusion! Es ist keine Lüge und keine Narkose für den gestressten und gequälten Menschen. Weihnachten ist das Angebot einer konkreten Freundschaft mit Jesus, zu der wir alle eingeladen sind. Alle Sehnsucht auf Weihnachten, die wir in unseren Herzen tragen, sind ein Hinweis darauf, dass Gottes Angebot an uns Menschen ernst gemeint ist. Unser Herz ist dafür der beste Zeuge!

 

Ihnen allen ein frohes und gesegnetes Weihnachtfest und den Frieden in Euren Herzen und Häusern!

 

Ihr Pfarrer Norbert Abeler!